Nach einer wahren Geschichte ...

Als in der Beringstraße des Provinznestes Klaasfeld eine Prostituierte einzieht und das frühere Wohnhaus zum »Club Diskret« umwandelt, wissen die Dorfbewohner zunächst nicht, wie sie auf die neue Mitbewohnerin Britta Hansen reagieren sollen.

Der männliche Teil ist hocherfreut über den äußerst attraktiven Neuzugang und versucht, sich auf ganz unterschiedliche Weise ein Bild vom Inneren des Etablissements zu machen, das schon nach kurzer Zeit Freier aus der gesamten Region anlockt. Der weibliche Teil tritt dagegen in direkten Kontakt mit Britta und ihrer Kollegin.

Doch nachdem schon der erste Integrationsversuch grandios scheitert, sind sich die Klaasfelder Frauen einig: Der »Club Diskret« muss raus aus unserem Dorf.

Ein Frühsommer voller Turbulenzen und aufregender Ereignisse mündet schließlich in einer dramatischen Nacht.

Der Autor

Günter Hochgürtel, Jahrgang 1957, wurde in Eiserfey bei Mechernich geboren und besuchte das dortige Gymnasium bis zum Abitur. Er studierte vier Semester lang Germanistik und Musikwissenschaft an der Universität Bonn. Im Dezember 1977 begann er ein Volontariat bei der Aachener Volkszeitung; er wechselte zwei Jahre später als Redakteur in die Euskirchener Lokalredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“, für den Hochgürtel seit mittlerweile 37 Jahren tätig ist.

1985 gründete er das Mundartduo „Wibbelstetz“, aus dem 1989 eine komplette Band wurde, die im Verlauf von drei Jahrzehnten mehr als ein Dutzend CDs mit Liedern im Eifeldialekt veröffentlichte. Eines davon („Nempt mich met“) übernahmen auch die „Bläck Fööss“ aus Köln, die zu den frühen Förderern von „Wibbelstetz“ gehörten. In den 1990er Jahren arbeitete Günter Hochgürtel auch als Textdichter für die „Höhner“ („Sie greift nach den Sternen“). Mit „Wibbelstetz“ absolvierte der vielseitige Musiker mehr als 1500 Konzerte.

Seit der Jahrtausendwende ist Günter Hochgürtel auch als Solist im Rheinland unterwegs, wobei der Schwerpunkt dieser höchst unterhaltsamen Shows eher auf Liedern mit hochdeutschen Texten aus seiner Feder liegt. Er hat mittlerweile vier CDs unter eigenem Namen veröffentlicht, darunter ein Album mit zwölf bekannten französischen Chansons. Auf seine Initiative hin gründete sich 2011 die „Eifel-Gäng“, zu der neben Hochgürtel noch der Krimiautor Ralf Kramp und der Mundartexperte und Vortragskünstler Manfred Lang gehören. Das musikalisch-literarische Programm der „Eifel-Gäng“ wurde vom Publikum begeistert aufgenommen, die Auftritte des Trios sind in der Regel ausverkauft.

Im November 2015 veröffentlichte Günter Hochgürtel pünktlich zum 30-jährigen Bestehen der Eifelrockband „Wibbelstetz“ eine Maxi-CD mit neuen Mundartliedern. Zeitgleich erschien eine weitere CD mit den frühen Hits der Band unter dem Titel „Die wilden Jahre“.

Interview mit Günter Hochgürtel

Frage: Herr Hochgürtel, ein Romandebüt mit Ende 50: Ist das nicht reichlich spät?

Günter Hochgürtel: Naja, eigentlich wollte ich schon früher mit meinen literarischen Versuchen an die Öffentlichkeit. Meine Lebensplanung sah einmal vor, dass ich mit 40 anfangen würde, mir das Schriftsteller-Handwerk draufzuschaffen, um dann so ab 50 mit einem großen Roman richtig loszulegen.

Frage: Und warum hat das nicht geklappt?

Hochgürtel: Ganz einfach: Ich hatte und habe nach wie vor zu viel Spaß am Musikmachen. Mit meiner Band „Wibbelstetz“ Konzerte zu geben wird zwar mit zunehmendem Lebensalter anstrengender, verschafft mir jedoch durch den direkten Kontakt mit dem Publikum große Zufriedenheit. Das Gleiche gilt auch für meine Solokonzerte und die grandiosen Auftritte der „Eifel-Gäng“.

Frage: Wie kam es dann dazu, dass Sie sich trotzdem hingesetzt und einen Roman geschrieben haben?

Hochgürtel: Ich wollte mir selber beweisen, dass ich dazu in der Lage bin, eine längere literarische Form als einen Songtext zu beherrschen. Das Schöne am Liederschreiben ist ja, dass man ein, zwei Wochen an einem Stück arbeitet, vielleicht zwei Monate übt, bis alles sitzt, und dann die Nummer vor Publikum ausprobieren kann. Man kriegt also schnell ein Feedback, ob sich die Arbeit gelohnt hat oder eben nicht.

Frage: Und das ist bei einem Roman nicht der Fall?

Hochgürtel: Leider nein. Man schreibt ja Seite um Seite einsam vor sich hin, ohne dass man weiß, ob man am Ende ein gutes Produkt abliefern kann. Klar kann man jemanden mal zwischendurch drüberlesen lassen, aber nur der Autor selbst kennt das große Ganze. Man muss schon sehr von seiner Arbeit überzeugt sein, um unbeirrt weiterzumachen.

Frage: Wie hat Ihr Umfeld, speziell ihre Kollegen bei der Zeitung und die Musiker der Band, darauf reagiert, dass Sie ein Buch schreiben wollten?

Hochgürtel: Natürlich erst mal belustigt, so nach dem Motto: Jetzt fängt er mit dem Quatsch auch noch an. Hat mich aber nicht interessiert, weil ich von frühester Jugend an eine Leseratte war und immer schon Schriftsteller werden wollte. Als man uns beim Abitur gefragt hat, welchen Beruf wir ergreifen wollten, habe ich „Poet“ angegeben. Die Leute haben sich schlapp gelacht, aber ich bin über Umwege doch noch einer geworden, wenn das heutzutage auch Songwriter heißt.

Frage: Was darf der Leser von Ihrem Debütroman erwarten? Haben Sie auch Erfahrungen aus Ihrem Musiker-Leben verarbeitet?

Hochgürtel: Nein, eigentlich nicht. Die Geschichte, die ich erzähle, hat sich ja im Wesentlichen so zugetragen. Ich hatte glücklicherweise bei der Recherche Unterstützung von einem Mann, der die Auseinandersetzungen um Vorkommnisse in Katzvey Mitte der 1980er Jahre akribisch archiviert hat.

Frage: Wie der Klappentext verrät, geht es um ein Bordell im Dorf.

Hochgürtel: Ganz richtig. Prostituierte fallen ja in der Stadt nicht weiter auf, und es ist gut, dass das Rotlichtgewerbe vom Gesetzgeber her nicht mehr so kriminalisiert wird wie früher. Aber auf dem platten Land sind Bordelle nach wie vor nicht gern gesehen und werden höchstens in Wohnwagen außerhalb der Ortschaften geduldet.

Frage: Dieses Thema haben Sie ja auch schon auf einer Ihrer CDs verarbeitet.

Hochgürtel: Stimmt. Das Lied heißt „Das rote Herz im Wohnmobil“, von denen es am Ende der Autobahn 1 bei Tondorf ja jede Menge gibt.

Frage: Haben Sie persönlich eine Affinität zum Milieu?

Hochgürtel: Nee, überhaupt nicht. Ich wollte in meinem Roman nur zeigen, dass ein Etablissement wie der „Club Diskret“ eine scheinbar festgefügte dörfliche Ordnung durcheinanderbringen kann.

Frage: Inwiefern?

Hochgürtel: Wenn plötzlich gut aussehende Frauen in einem Ort von überschaubarer Größe auftauchen, werden die Männer erst mal neugierig. Und die Frauen haben Angst davor, dass ihre Kerle das sauer verdiente Geld ins Freudenhaus tragen.

Frage: Eine spannende Konstellation.

Hochgürtel: Ja. Die Reaktion der Dörfler auf den Zuzug einer attraktiven Frau, die ein Stück weit außerhalb der normalen Gesellschaft lebt, hat mich aus psychologischer Sicht interessiert. Es gibt ja auf dem Land immer noch andere Moralvorstellungen als in der Stadt, auch wenn vieles dabei nur vorgeschoben ist.

Frage: Also darf der Leser in Ihrem Roman auch eine ordentliche Portion Erotik erwarten.

Hochgürtel: Die Leute haben mich ja im Vorfeld gefragt, wovon mein Buch denn handelt. Ich habe dann immer geantwortet: von einem Puff im Dorf. Was die Sache natürlich nicht ganz trifft. Denn es geht nur vordergründig um den Kampf der Klaasfelder gegen den ungeliebten Club Diskret. Mir war wichtiger zu zeigen, wie das dörfliche Miteinander so funktioniert. Dabei haben die Frauen eindeutig die Hosen an, das Machtzentrum liegt in der Damenturnabteilung des örtlichen Sportvereins. Die Männer haben vergleichsweise wenig dagegenzusetzen.

Frage: Also spielt die Erotik keine tragende Rolle?

Hochgürtel: Nicht wirklich. Das Thema steht natürlich immer im Raum, und es gibt auch ein paar pikante Szenen und Schilderungen, schließlich geht es unter anderem um käufliche Liebe. Aber deshalb muss „Landlust“ nicht gleich auf den Index. Ich kann versichern, dass diesbezüglich alles im Rahmen bleibt.

Frage: Darf man von Ihnen in Zukunft noch weitere Bücher erwarten?

Hochgürtel: Schauen wir erst mal, wie mein erster Roman bei den Lesern ankommt. Irgendwann in den nächsten Jahren wird die Zahl meiner Konzerte sicherlich weniger werden. Die dadurch frei werdende Zeit würde ich gerne ins Schreiben investieren, weil mir das als Journalist logischerweise sehr leicht fällt.

Frage: Das heißt, Schreiben ist neben Musikmachen eine Passion für Sie.

Hochgürtel: Das kann man so sagen. Schreiben ist für mich in etwa so selbstverständlich, wie ein Butterbrot zu essen. Es liegt einfach in meiner Natur. Ich muss als Autor jedoch noch weiter an mir arbeiten, speziell was die Schilderungen von Landschaften, Gegenständen und Personen anbelangt. Da habe ich noch Luft nach oben. Bei den Dialogen, finde ich, läuft es schon ganz gut.