Troubadour

Die fahrenden Sänger im Mittelalter haben Günter Hochgürtel schon zu Schulzeiten fasziniert: Walter von der Vogelweide, Oscar von Wolkenstein, Neidhardt von Reuenthal, Hartmann von Aue und wie sie alle heißen. Diese Barden sorgten sowohl für die Unterhaltung der höfischen Gesellschaft als auch für die Übermittlung der Nachrichten. Die Herren kamen schließlich ziemlich weit herum im Lande.

Eben diese beiden Pole sind es auch, zwischen denen sich der Chansonnier Günter Hochgürtel bewegt. Auf der einen Seite ist er seit fast 40 Jahren Redakteur beim „Kölner Stadt-Anzeiger“, auf der anderen Seite aber auch Liedermacher - und das im besten Sinne des Wortes. Seine große Liebe gilt seit eh und je dem französischen Chanson, speziell den Liedern der großen Protagonisten Jacques Brel, Georges Moustaki und Georges Brassens. Da sich das Interesse an diesen Chansons in Hochgürtels Eifeler Heimat in engen Grenzen hält, sammelte der Musiker erst einmal Bühnenerfahrung in einer stinknormalen Tanzcombo.

Die Geburtsstunde von "Wibbelstetz"

1984 wagte sich Günter Hochgürtel erstmals mit selbstverfassten Liedern an die Öffentlichkeit. Und mit Texten in Eifeler Mundart. Daraus wurde schließlich die Eifelrockband „Wibbelstetz“, die zuerst als Duo, später als Trio und seit 1989 als Quintett für reichlich Aufsehen in der Eifel und darüber hinaus sorgte.

Bis heute veröffentlichte Hochgürtel als Texter und Komponist der Gruppe mehr als 100 Titel. Einer davon – „Nempt mich möt“ - wurde auch von den berühmten „Bläck Fööss“ aus Köln übernommen und auf der CD „Nix ös ömesöns“ veröffentlicht. Die „Fööss“ gehörten auch zu den ersten Förderern von „Wibbelstetz“. Auf den letzten beiden Studio-CDs der „Höhner“ (1,2,3…/Viva Colonia) ist der Eifelmusiker ebenfalls mit insgesamt drei Texten vertreten. Während diese beiden Topbands vor allem durch den rheinischen Karneval bekannt wurden, steht Günter Hochgürtel diesem Metier eher kritisch gegenüber.

Muskelaufbau auf der Wildenburg

Parallel zur Arbeit mit der Gruppe gab Günter Hochgürtel immer wieder Solokonzerte. Zum Beispiel im „Historischen Gasthof zur Wildenburg“ bei Hellenthal. Dort holte sich der Liedermacher das nötige Selbstvertrauen für künftige Auftritte nur mit Gitarre und Mundharmonika. In den Solo-Konzerten, die Günter Hochgürtel in unregelmäßigen Abständen gibt, präsentiert er unter dem Titel „Troubadour“ nicht nur seine eigenen Chansons in Hochdeutsch, sondern auch das eine oder andere Lied aus dem „Wibbelstetz“-Fundus - versehen mit einigen kabarettreifen Moderationen.

Ergänzt wird das Ganze durch Lieder deutscher Liedautoren wie Bert Brecht, Hannes Wader oder Stefan Sulke. Nicht zu vergessen, die schrägen Songs aus der Feder des Hamburger Kabarettisten Hans Scheibner. Ein paar englische Titel hat der „Troubadour“ selbstverständlich auch auf Lager. Von Jim Croce beispielsweise, dem genialen, leider allzu früh verstorbenen Singer/Songwriter oder den Rockgrößen Neil Young, James Taylor und Bob Dylan.

Ein ausgewiesenes Schandmaul

Diese Fülle unterschiedlicher Lieder präsentiert Günter Hochgürtel mit sonorer Bassstimme, wechselweise begleitet von präzisem Gitarrenpicking oder druckvoller Schlagtechnik. Es gibt dazu noch jede Menge kleiner Geschichten am Rande, die der Chansonnier, ein ausgewiesenes Schandmaul wie der mittelalterliche Kollege Francois Villon, immer wieder einstreut.

Die jüngsten Erfolge zeigen, dass Günter Hochgürtel mit dieser Mischung genau den Nerv des interessierten Publikums trifft. Es gibt immer wieder ausgesprochen ernste Momente in den „Troubadour“-Konzerten. Aber der Sänger schafft es auch in Sekundenschnelle, die Leute mit seiner spitzen Zunge zum Lachen - und was noch viel wichtiger ist - zum Mitsingen zu bringen. In seiner Eifeler Heimat hat Günter Hochgürtel damit ebenso wenig Probleme wie etwa im Kölner Domforum, im französischen Fougères, in Kutztown (USA) oder am Wörthersee in Österreich.

Der Rheinländer an und für sich

Im Frühjahr 2006 veröffentlichte Günter Hochgürtel das Lied "Der Rheinländer" auf einer Maxi-CD, die anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Wir Rheinländer" im Kommerner Freilichtmuseum in Auftrag gegeben worden war. Diese aufwendige historische Aufarbeitung der Geschichte des Rheinlands zwischen der napoleonischen Zeit und dem Zweiten Weltkrieg hat bislang alle Besucherrekorde im Freilichtmuseum gebrochen. Günter Hochgürtel konnte seinen "Rheinländer" im November 2006 auch in der Sendung "Fröhlicher Weinberg" im Südwest-Fernsehen vorstellen.

Eine richtige Solo-CD mit großem Instrumentarium leistete sich der Liedermacher quasi zu seinem 50. Geburtstag, den er im Januar 2007 feierte. Nur wenige Wochen später begann er im "Voicekirchen"-Tonstudio seines Freundes Tato Gomez in Kleinbüllesheim mit den Aufnahmen zur CD "Tanz auf dem Vulkan". Das Album mit elf Songs ausschließlich in Hochdeutsch und komplett aus der Feder von Hochgürtel wurde am 2. Oktober 2007 veröffentlicht. Mit diesem professionell eingespielten Tonwerk versucht Günter Hochgürtel seither mit wachsendem Erfolg, die Grenzen seiner rheinischen Heimat zu sprengen und seine Musik in ganz Deutschland bekannt zu machen.

So präsentierte Hochgürtel seine Lieder nicht nur in den wunderschönen Bergdörfern im Herzen der Insel Sardinien, sondern er wurde auch vom Saarländischen Rundfunk zu einem Symposium mit anderen Künstlern in den Landkreis St. Wendel eingeladen. 2010 gab der Songpoet aus der Eifel seine Visitenkarte unter anderem bei einem großen Festival im Elsass und in Idar-Oberstein (Hunsrück) ab. Mit der neuen CD "Nach all den Jahren" will Günter Hochgürtel seinen Erfolgsweg fortsetzen.

 

Das französische Experiment

In all den Jahren „on the road“ mischte Günter Hochgürtel immer mal wieder französische Chansons in seine Programme, egal ob mit Band oder als Solist. Bis er sich entschloss, eine eigene CD mit seinen Lieblingstiteln zusammenzustellen. Im Frühjahr 2013 nahm er gemeinsam mit einer Schar handverlesener Musiker (Wolf Simon, Pete Haaser, Thomas Wille) zwölf mehr oder weniger bekannte Chansons in nur fünf Tagen im Hansahaus-Studio in Bonn auf. Als „Kapitän“ war wieder Taato Gomez an Bord, am Mischpult saß der unvergleichliche Klaus Genuit. Das Ergebnis - die CD „Mon âme francaise“ - begeisterte nicht nur die Mitwirkenden, sondern auch die Fans des Eifel-Troubadour.

Der erste Roman

Im März 2015 veröffentlichte Günter Hochgürtel seinen ersten Roman unter dem Titel "Landlust" im Eigenverlag (Edition Archipoeta). Bereits nach vier Monaten war die erste Auflage von 1000 Stück vergriffen. Das Buch basiert auf einer wahren Geschichte, die Hochgürtel als junger Redakteur des Kölner Stadt-Anzeiger in den 1980er Jahren erlebte.

Im gleichen Jahr brachte der umtriebige Singer/Songwriter mit seiner Stammband "Wibbelstetz" das Best-of-Album "Die wilden Jahren", eine Kompilation der Hits aus der ersten Dekade, sowie die neue Maxi-CD "Ansonsten in Bestform" mit sechs frischen Titeln auf dem Markt. Gleichzeitig erschien eine DVD mit dem Titel "Und doch muss ich weiterziehn", die ein 45-minütiges Filmporträt der Dürener Filmemacherin Roswitha Katharina Wirtz enthält.

Aufhören ist noch kein Thema

Für sein neuestes Studioalbum mit eigenen Liedern hat sich Günter Hochgürtel immerhin sieben Jahre Zeit gelassen. Im Juli 2017 erschien die CD "Und doch muss ich weiterzieh'n" mit elf frisch produzierten Titeln, die der Eifeler Künstler mit bewährter Mannschaft im renommierten Hansahaus-Studio in Bonn unter tätiger Mithilfe von Klaus Genuit aufgenommen hatte. 

 

 

 

   

So soll der gute Walter von der Vogelweide ausgesehen haben.

 

Die Bläck-Fööss-Musiker Hartmut Priess und Bömmel Lückerath halfen Wibbelstetz 1989 bei der ersten Single-Aufnahme.

 

Im historischen Gasthaus zur Wildenburg probierte sich Günter Hochgürtel erstmals als Solist aus.

 

Die weiteste Reise ihrer Karriere machte die Eifelrockband „Wibbelstetz“ 2003 nach Kutztown/Pennsylvannia.
 

Auch in Sardinien konnte Eifeltroubadour Günter Hochgürtel begeistern, unter anderem mit zwei italienschen Canzone.
 

Seelenverwandte: Mit Produzent Tato Gomez nahm Günter Hochgürtel 2007 sein erstes ernsthaftes Soloalbum „Tanz auf dem Vulkan“ auf.